Stell dir in kritischen Momenten die Frage: Wie würde die Liebe handeln? Kontrolliere deine Kräfte, konzentriere dich auf das Wesentliche und du findest den richtigen Weg.

Dies ist die Quintessenz, die man aus der Oper "Tarot", die am 15.9.2007, im Kulturzentrum in Perchtoldsdorf uraufgeführt wird, ziehen kann.

Die Handlung (nach dem Buch "Im Wandel des Tarot" von Manfred Hrubant) spielt überwiegend in einer fremden Welt, zwischen Leben und Tod, wo sich das Schicksal des Hauptakteurs Sam Decker entscheidet. Schauplatz 1 gehört der realen Welt in der durch die Charakterisierung des spielsüchtigen und materialistischen Egomanen Sam Decker die Abgründe menschlichen Daseins aufzeigt werden. Schauplatz 2 entführt den Zuschauer in eine Zwischenwelt, auf ein Podium irrealer und mystischer Ereignisse, die, so lässt sich erahnen, doch noch eine Chance zur Umkehr bieten.

Die Oper beschreibt den Weg, den die moderne Oper insgesamt genommen hat - immer weiter weg vom wirklichen Leben, immer höher in die hermetischen Sphären der Kunst. Schöne Geschichten werden in der Gegenwartsoper schon lange nicht mehr erzählt. Der leidende, singende Held von einst, zu dem sich der Zuschauer hingezogen fühlte, hat ausgedient. Trotzdem erklingt hier keine Musik, die den Hörer überfordert. Dem Komponisten Juri Geworkian gelingt es - ähnlich wie in der Programmmusik - die Zuschauer mit musikalischen Bildern an Schauplätze zu bringen, die der Mystik des Stückes vollends gerecht werden. Neben den überaus anspruchsvollen Partien für die darstellender Sänger, fordert das Wechselspiel der beiden Welten sowohl den Regisseur als auch den Bühnenbildner heraus.

Kein Zweifel, diese Oper lässt durchaus hoffnungsfroh in die Zukunft des zeitgenössischen Musiktheaters blicken.

Horst Zander, Regisseur

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