Orestes und die Erinnyen
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So sprach der Gott. Doch bevor er noch seinen Tempel verließ, brachen die Rachegöttinnen in das Heiligtum ein, um sich auf Orestes zu stürzen. Der Schatten Klytaimnestras war den Schlafenden im Traum erschienen und hatte sie aufgejagt mit den Worten: "Was schlummert und schnarcht ihr hier, indes ich ungerächt des Hades Nacht durchirre? Auf, ihr Säumigen, der Muttermörder entgeht euch!" Apollon aber trieb die finstere Schar aus seinem sonnigen Heiligtum hinaus. "Fort von hier", schalt er, "ihr Grauenhaften! In der Höhle des Löwen, wo Blut geschlürft wird, ist euer Platz, ihr Scherginnen des Schicksals, nicht hier am heiligen, reinen Sitz des Orakels! Den ihr verfolgt, er ist mein Schützling!" Damit übergab er den unglücklichen Tantaliden samt dessen Freund der Obhut des Hermes und entschwand. Nun schlugen die beiden Freunde den Weg nach Athen ein. Die Erinnyen folgten ihnen nur aus der Ferne, sie scheuten die goldene Rute des Götterboten. Je näher das Paar jedoch der Grenze Attikas kam, desto kühner und kecker wurden sie, und als die Wanderer den Stadtbereich von Athen betraten, da waren ihnen die Rächerinnen schon wieder dicht auf den Fersen. Und als Orestes und Pylades schließlich die Schwelle des Tempels der Pallas überschritten, stürmte auch schon der grauenvolle Chor johlend hinter ihnen durch die offenen Pforten des Heiligtums. Orestes warf sich vor der Bildsäule der Göttin in den Staub und umfasste ihre Knie. "Königin Athene", flehte er, "jungfräuliche Tochter des Zeus, dein Bruder schickt mich zu dir, sei meine Retterin, meine Richterin! Über Städte und Einöden komme ich zu dir hieher gewandert, dem Orakel des Apollon gehorsam, und erwarte hier deinen Spruch. O Göttin, erbarme dich meiner!" -Inzwischen hatte ein Herold im Auftrage des Apollon die ältesten Bürger Athens zur Gerichtssitzung auf einen Hügel vor der Stadt berufen, welcher dem Kriegsgott Ares heilig war und darum Areios pagos, "Aresbezirk", hieß. Dorthin befahl Athene sowohl den Schutz-flehenden und dessen Freund als auch die Rachegöttinnen, die mit wütenden Schreien ihr Recht, jeden Schuldbeladenen zu verfolgen, geltend machten. Das Gericht trat zusammen. Athene, die Göttin der Weisheit, führte selbst den Vorsitz, die Erinnyen erhoben durch ihre Sprecherin Anklage und Einspruch, weil sie wohl merkten, dass ihnen Orestes entwunden werden sollte, und Apollon machte sich zum Anwalt des Angeklagten. Strahlend stand er neben Orestes, und als dieser gefragt wurde, ob er die Tat, begangen an seiner Mutter, leugne, antwortete er: "Ich leugne sie nicht, doch tat ich sie nicht aus eigenem Antrieb - dieser da, der Gott, hat sie mir aufgetragen! Auch habe ich Klytaimnestra nicht mehr als meine Mutter anerkannt, sondern nur noch die Mörderin meines Vaters in ihr gesehen."

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