Die Griechen vor Troia. Der Zorn des Achilleus
2 / 5
Die Schiffe dienten den Griechen als Rückhalt; man umgab sie mit einem hohen Erdwall, der später durch eine Mauer ersetzt wurde. Hinter dem Wall zog sich ein tiefer Graben hin, der mit einer dichten Reihe starker Schanzpfähle versehen war.
Zwischen dem Lager der Griechen und der erhöhten Stadt Troia dehnte sich, von den Flüssen Skamandros und Simoeis umschlossen, vier Wegstunden lang die blumige Skamandrische Wiese und die breite Troische Ebene aus - das Schlachtfeld. Dahinter ragte mit Mauern, Zinnen und Türmen Ilion auf. Von zwei Seiten, durch das Skaiische und durch das turmbewehrte Dardanische Tor, konnte man die Stadt betreten. Ihr Inneres war uneben und bergig. Im obersten Teile der Stadt, der Burg, standen die Paläste des Priamos, des Paris, die Tempel der Athene und des Apollon, der Tempel der dreigestaltigen und zaubergewaltigen Mondgöttin Hekate und auf der Spitze der höchsten Erhebung der Tempel des Zeus. - Hinter Troia zog sich das Ilische Feld zum waldigen Idagebirge hinan, dessen letzter Ausläufer es war.
Neun Jahre lagen die Griechen vor Troia. Die Dardaner hielten sich all die Zeit über hinter ihren starken, uneinnehmbaren Mauern verborgen: sie fühlten sich zu schwach, um eine offene Feldschlacht zu wagen, und öffneten ihre Tore nur, wenn es galt, einem der verbündeten Hilfsvölker Einlass zu gewähren, das die Reihen der eigenen Kämpfer verstärkte.
Inzwischen zogen die Griechen sengend und plündernd durch das umliegende Land. Achilleus und seine Myrmidonen zerstörten nach und nach zwölf Städte von der See aus und nahmen elf zu Lande ein. Bei einem Streifzug durch Mysien raubte Achilleus Chryseis, die schöne Tochter des Priesters Chryses, und bei der Eroberung der Stadt Lyrnessos überfiel er den Palast des Sehers Briseus, der sich in seiner Verzweiflung erhängte. Briseis, die Tochter des Priesters, wurde gleichfalls als Beute ins griechische Lager gebracht.
Auch der gewaltige Aias ruhte nicht. Er brach die Burg des Königs Polymnestor auf der thrakischen Halbinsel, brachte ihr Gold auf seine Schiffe, griff dann das Reich des phrygischen Königs Teutliras an, tötete den Herrscher in der Schlacht und führte dessen herrliche Tochter Tekmessa mit sich fort.
Im Schiffslager vor Troia wurden die Helden und deren Lastschiffe mit Jubel und Lobgesängen empfangen. Die Sieger bekränzte man mit Olivenzweigen, die Beute wurde unter alle verteilt. Zuletzt führte man auch die gefangenen Frauen vor, deren Schönheit alle Griechenherzen gefangen nahm. Die holde Briseis wurde dem Achilleus als Lohn für seine Taten zuerkannt. Aias durfte die königliche Tekmessa behalten. Chryseis aber wurde dem Völkerhirten Agamemnon zugesprochen samt vielen Lasten Silbers und Goldes.
So brach das zehnte Kriegsjahr an, das endlich die Entscheidung brachte und Troia in Schutt und Asche legte. Ehe es aber dazu kam, hatten die Griechen noch viel zu leiden durch den Zorn des Peliden Achilleus, der sich um einer schönen Sklavin willen mit Agamemnon entzweite.
« zurück —
weiter »