Der Sturz des Peliden
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Das Schicksal aber verwehrte den Jungfrauen wie den Troern jeden Sieg. Während Penthesileia auf ihrem göttlichen Pferde dem Heere voran über das Schlachtfeld flog, betete Priamos zu Zeus um eine glückliche Rückkehr für die Amazonenkönigin. Zeus aber und alle anderen Götter, auch Apollon, der Sonnenstrahlende, hatten sich längst von Troia abgewandt. Der Göttervater schickte dem greisen König ein böses Zeichen: ein Adler flog, kaum dass Priamos sein Gebet beendet hatte, zur Linken kreischend über die Burg; er hielt eine zerrissene Taube in den Krallen. Das stürzte den Greis in tiefe Furcht. Vergeblich war da aller Mut und alle Mühe der Dardaner, umsonst röteten sie den Boden vor den Schiffen mit ihrem Blut, vergebens brach Penthesileia in die Griechenscharen ein wie die Löwin in die Rinderherde. Idomeneus und Meriones, Aias, der Telamonier, und Aias, des Oileus Sohn, erschlugen die heißkämpfenden Amazonen in wilder Streitlust, und am Ende fiel auch Penthesileia von der Hand des Achilleus. Mit seiner unwiderstehlichen Lanze traf er die Königin oberhalb der rechten Brust, dass schwarzes Blut den Silberharnisch färbte. Die Streitaxt entfiel ihrer entkräfteten Hand, Nacht senkte sich auf ihre Lider. Aber noch einmal kehrte ihr das Licht zurück, sie schlug die Augen auf und sah ihren Verderber fest an. Ob ich ihn bitte, mir für Gold und Erz das Leben zu schenken? dachte sie. Aber Achilleus ließ ihr keine Zeit zur Besinnung, er durchbohrte Ross und Reiterin mit einem einzigen Stoß. Entsetzt flohen die Troer zurück in die Stadt. Laut erscholl ihr Wehklagen um den Tod der herrlichen Jungfrauen und ihrer Fürstin. Achilleus aber, der vor Penthesileia stand, frohlockte: "Da lieg im Staub, Raubvögeln und Hunden zum Fraß! Wer hat dich geheißen, mit mir zu kämpfen? Unermessliche Gaben erhofftest du wohl aus Priamos' Hand für Tausender Griechen Tod - nun ward dir ein anderer Lohn zuteil: hinab in den Staub, ins Verderben sankst du zuckend!" Als er aber der Toten, die mit dem Rücken an ihr getroffenes Streitross angelehnt lag, den Helm vom Haupte nahm und ihr Antlitz betrachtete, das trotz Blut und Staub noch immer von überirdischer Anmut strahlte, überwältigte den Helden namenloser Schmerz. Aufschluchzend klammerte er sich an seinen Speerschaft und rief: "Wie Artemis nach heißer Gebirgsjagd ruht, vom Schlummer noch verschönt, so liegst du vor mir, herrliche Jungfrau! O dass ich immerzu töten muss und auch dich töten musste, anstatt dich als Gattin heimzuführen nach Phthia!" So rief er und litt kaum geringeren Gram als beim Tode seines Patroklos, indes Ares, der Vater der Erschlagenen, außer sich vor Leid vom Olympos herabstürzte und wie ein Blitz mit rollendem Donner die Gipfel und Schluchten des Idagebirges heimsuchte. Berg und Tal erbebten unter seinem Eisenschritt, und er hätte den Tod der Tochter an den Griechen schaurig gerächt, wenn ihn Zeus nicht durch ein Gewitter gewarnt und gebändigt hätte. Schlag auf Schlag entlud sich das Wetter über des tobenden Gottes Haupt, da hielt er inne und gehorchte dem Willen des Vaters, der seine Hand schützend über den Schiffen der Griechen hielt. Doch wie sehr auch Zeus die Danaer liebte und auf ihren Sieg über Troia hoffte, so konnte er doch den Tod nicht vom Haupte des Achilleus abwenden: der Pelide verfiel dem Zorne Apollons. Und das kam so: Die Aithiopier, die mit ihrem König Memnon aus Afrika gekommen waren und die Troer zu neuen blutigen Ausfällen ermuntert hatten, waren überwunden. In den wütenden Kämpfen war Antilochos, Nestors Sohn, gefallen, und Achilleus hatte den edlen Helden gerächt, indem er Memnon erschlug. Der fremde König wurde am Ufer des Hellespont bestattet. Während nun Nestor, der Uralte, seinen Schmerz um Antilochos tapfer niederzwang, begann Achilleus zu rasen. Er tötete die Feinde in Scharen, jagte die Troer unter grässlichem Blutvergießen bis vor ihre Mauern, sprang vom Schlachtwagen und schickte sich an, mit seiner Riesenkraft die Flügel des Skaiischen Tores aus den Angeln zu heben, was kaum einem Titanen gelingen konnte.

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