Das hölzerne Pferd
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Unter diesem aber soll sich ein mutiger Mann versteckt halten, der sich, sobald er entdeckt wird, als Flüchtling ausgibt und den Troern das Märchen aufbindet, wir hätten ihn vor unserem Abzug den Göttern opfern wollen, er aber sei entkommen und habe sich unter dem hölzernen Ross versteckt. Und fragen sie ihn, was denn das Pferd zu bedeuten habe, so muss er sagen, es sei der Pallas Athene geweiht, der Todfeindin Troias. Sein Bericht wird die Feinde rühren, und sie werden ihn in die Stadt mitnehmen; dort muss er dann alles daransetzen, dass die Verblendeten das Ungetüm in die Mauern hineinziehen. Ist es so weit, dann warten wir die Nacht ab und steigen aus dem hölzernen Bauch. Wir überfallen die sorglos schlummernde Stadt, sprengen die Tore, damit die aus Tenedos zurückgekehrten Krieger ungehindert zu uns stoßen können, und überwältigen mit ihrer Hilfe endlich den Feind." Odysseus schwieg, die Danaer aber priesen laut seinen erfinderischen Verstand, auch Kalchas, der Seher, geizte nicht mit Lob. Einzig Neoptolemos tadelte den Vorschlag des Odysseus. Er war ein Sohn des Achilleus und der schönen Tochter des Königs Lykomedes, bei welchem der Pelide vor dem Kriege als Jungfrau unter Jungfrauen verborgen worden war. Unwillig rief der stolze Jüngling aus: "Nur Feiglinge kämpfen aus dem Hinterhalt oder von den Mauern herab wie die Troer! Der Tapfere begegnet dem Feinde in offener Feldschlacht, jedes andere Mittel befleckt seinen Schild!" Doch Odysseus, der den hohen Sinn des Jünglings bewunderte, wusste ihn davon zu überzeugen, dass in der Not Tapferkeit allein nicht alles ausrichte. "Du kennst die Welt noch nicht", sagte er, "aber glaube mir, mein Vorschlag ist gut." Damit war Neoptolemos besänftigt, und es geschah alles nach des Odysseus Rat. Als es Abend wurde, legten die Helden sich schlafen. Um Mitternacht stand auf einmal Pallas Athene im Zelt des Epeios, eines kunstreichen Mannes. Der Raum vermochte die Lichtfülle kaum zu fassen, ebenso schrecklich wie schön flammte das Auge der Göttin, als sie vor den Träumenden trat und ihre Stimme erhob: "Stehe auf und mach dich ans Werk! Zimmere aus starken Balken ein riesiges Ross, bilde es so schön, wie du es vermagst! Auf, wähle deine Gehilfen und beginne! Ich werde euch beistehen." Freudig, die Stimme Athenes noch im Ohr, erhob sich der Künstler vom Lager und kleidete sich an. Um das Morgenrot berichtete er den Fürsten sein nächtliches Gesicht, und sogleich entsandten die Atriden eine große Schar Männer in die Wälder des Ida, die mussten viele hochstämmige Tannen fällen und an das Meer hinabschleifen, wo Epeios mit seinen Gesellen alsbald an die Arbeit ging. Und so gewaltig förderte die Gegenwart der Göttin das Werk, dass es in drei Tagen vollendet war. Ein prächtiges Pferd, dessen Haupt höher ragte als Ilions Mauern, stand da in der Ebene, vom ganzen Heere bewundert: wie ausdrucksvoll hatte der Meister Leben und Bewegung des edlen Tieres nachgebildet! Da wölbte sich der breite Hals über dem kräftigen, wohlgeformten Leib; da wehte die Mähne im Wind und der lange Schweif; am Kopf aber wurden aus zähem Leder zwei spitzige Ohren befestigt und Augen aus funkelndem Glas eingesetzt.

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