Der Tod des Patroklos
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Aber der Pelide erwiderte voll Bitterkeit: "Seit mir Agamemnon arglistig meine Siegesbeute nahm, traue ich ihm nicht mehr. Mag er selber zusehen, wie er des Feindes Herr wird. Ich opfere morgen den Göttern, rolle die Kiele ins Meer und segle heimzu nach Phthia. Mich lockt kein Lohn, mich überredet kein Grieche, selbst Nestor nicht. Meldet das dem Völkerfürsten!" So musste der edle Phoinix, der Führer der Gesandtschaft, mit Odysseus und Aias unverrichteterdinge zurückkehren, und die Atriden fanden vor Sorge keinen Schlaf mehr in dieser Nacht. Am anderen Tage entbrannte die Schlacht von neuem, und es schien, als wollte das Glück diesmal den Griechen lachen. Wie die wilden Wölfe stürzten sich die Helden beider Heere aufeinander. Um die Mittagszeit durchbrachen die Danaer die feindlichen Reihen, die Troer mussten fliehen. Erst bei der Eiche des Zeus am Skailschen Tore war ihnen Rast gegönnt. Sie wandten sich mit dem Rücken zur Stadt und erwarteten die Verfolger, die, von Agamemnon geführt, heranbrausten wie ein fressender Waldbrand. Da sandte Zeus die Götterbotin Iris zu Hektor. "Warte, bis der Atride verwundet ist", flüsterte sie dem Helden ins Ohr, "dann erst wirf dich auf die Griechen!" Hektor brauchte nicht lange zu warten. Koon, ein Sohn des greisen Antenor, stieß dem Völkerfürsten die Lanze unter dem Ellbogen quer durch den Arm, aus Rache dafür, dass Agamemnon Koons Bruder Iphidamas grausam erschlagen und der Rüstung beraubt hatte. Freilich erlitt Koon sogleich selber von Agamemnons Hand den Tod, doch quälte den Atriden seine Wunde so sehr, dass er sich auf seinen Streitwagen schwang und zum Schiffslager zurückbringen ließ. Nun feuerte Hektor seine Streiter zu wildestem Angriff an, rannte die Reihen der Danaer über den Haufen und entschied die Schlacht für sich. Odysseus und Diomedes waren verwundet, nur Aias kämpfte noch wie ein Rasender; bis Zeus auch des Telamoniers Seele mit jäher Angst erfüllte und er beim Anblick des schrecklichen Hektor die Flucht ergriff. So war den Troern zum zweitenmal Sieg beschieden. Die Griechen zogen sich auf die Schiffe zurück. Aber nicht lange war ihnen dort Ruhe gegönnt. Hektor jagte die Troer in tollkühnem Mut gegen das Lager, und die Götter, denen die Griechen beim Bau der schützenden Ringmauer kein Festopfer dargebracht hatten, ließen es zu, dass Hektor sie erstürmte. Wohl hemmte ein schauriges Zeichen für eine Weile die Kampfeslust der Troer: ein Adler, der eine rote Schlange in den Fängen hielt, streifte über das Kriegsheer hin. Die Schlange wand und wehrte sich und biss den stolzen Vogel so heftig in den Hals, dass er, von Schmerzen gequält, seine Beute fahrenließ und davonglitt. Die Schlange fiel mitten unter die Kämpfer, die erschreckt zurückwichen. "Es ist ein Zeichen des Zeus", riefen sie, "es wird uns ergehen wie dem Adler!"

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