Paris und Menelaos
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Voll banger Sorge schauten die himmlischen Freunde der Griechen vom Olympos hernieder auf das Gewimmel in der Tiefe. Der Ernst, mit welchem die Danaer ihre Schiffe flott machten, Wagen, Rosse und Kriegsbeute zu verladen begannen, versetzte sie in hellen Schrecken. "Wende den Sinn der Männer, hemme die Flucht!" rief Hera angstvoll Pallas Athene zu, und die Zeustochter schwang sich von der felsigen Höhe hinab ins Lager der Griechen. Vor Odysseus, der gramvoll bei seinem Schiffe stand und es nicht zu berühren wagte, verhielt sie den stürmenden Schritt und offenbarte sich ihm. "Wirf dich den Rasenden entgegen!" rief sie, "nütze all deine Beredsamkeit und die Schärfe deines Verstandes - Troia muss fallen! Doch wer sollte es vernichten, wenn nicht ihr?"
Sogleich warf Odysseus den hinderlichen Mantel ab und lief, gefolgt von seinem Herold, kreuz und quer durch die aufgebrachten Kriegerscharen. Mit freundlicher Rede ermahnte er die Fürsten, sich doch zu besinnen, mit scheltendem Wort verwies er den übrigen Streitern ihr Tun und befahl sie zur Versammlung. Unbotmäßige aber und solche, die gar Schmähreden auf ihn und die Atriden häuften, züchtigte er mit unbarmherzigen Schlägen seines Zepters.
Als sich der Tumult endlich etwas beruhigt hatte, erschien Odysseus auf dem Versammlungsplatz und erhob seinen Herrscherstab. Schweigen trat ein. Dann wandte sich Odysseus zu Agamemnon und sprach: "Sohn des Atreus! Siehe, welche Schmach dir die Griechen bereiten. Aus einem Volk von Helden ist ein Haufe wortbrüchiger Lumpen geworden. Wie Weiber und kleine Kinder jammern und betteln sie um Heimkehr und klagen einander ihr Leid. Habt ihr nicht gelobt, auszuhalten und nicht eher zu weichen, als bis Troia vertilgt und Helena nach Sparta zurückgebracht ist? Und nun wollt ihr ewige Schande auf euch laden? Harret doch nur ein wenig noch aus und denkt daran, was sich zu Aulis rund um den Quell unter dem Platanenbaum ereignete, als wir dort den Göttern opferten! Ein purpurschuppiger Drache fuhr unter einem der Altäre hervor und kroch den Baum hinan, auf welchem sich ein Vogelnest mit neun Sperlingen befand; es waren acht nackte Junge mit ihrer Mutter. Der Drache fraß sie alle auf, und Zeus, der das Untier geschickt hatte, verwandelte es - o Wunder! - vor unseren staunenden Augen in Stein. Und wie deutete Kalchas dies Zeichen? Wisst ihr es noch? Die neun Sperlinge sind die neun Jahre, so sagte er, die ihr vergeblich um Troia kämpfen werdet, im zehnten Jahr aber werdet ihr die herrliche Stadt erobern! Nun, die neun Jahre sind vorüber, das zehnte ist angebrochen, und da wollt ihr unverrichteterdinge abziehen? Vertrauet doch den Göttern und bleibt, bis Priamos' Feste gefallen ist! Wie anders wird euch die Heimat empfangen, wenn ihr als Sieger und nicht als feige Flüchtlinge landet!"
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