Wie die Griechen zur Heerfahrt rüsteten und was sich in Aulis begab
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Als Achilleus noch ein Säugling war, wollte ihn seine Mutter unsterblich machen. Nacht für Nacht, wenn sein Vater Peleus schlief, packte sie ihn bei den Fersen und hielt ihn in ein himmlisches Feuer, das vertilgte allmählich, was an dem Knaben vom Vater her sterblich war. Bei Tage bestrich sie dann die versengten, wunden Stellen mit der heilenden Götterspeise Ambrosia wie mit einem Balsam. Eines Nachts aber geschah es, dass Peleus ihr Tun belauschte. Er schrie laut auf, als er den Sohn im Feuer zappeln sah, und verhinderte dadurch, dass Thetis ihr begonnenes Werk vollenden konnte. Achilleus blieb sterblich und an den Fersen, wo die Mutter ihn gehalten hatte, verwundbar. Tödlich betrübt kehrte die Göttin dem Palaste ihres Gatten den Rücken und entwich in das feuchte Reich der Nereiden, ins Meer, zu ihrem Vater. Peleus übergab nun den Knaben dem weisen Kentauren Cheiron, der schon manchen Helden erzogen hatte. Er nahm sich des Achffleus liebevoll an und nährte ihn mit Bärenmark und der Leber des Löwen und des Ebers. Als nun aber der Seher Kalchas seine Weissagung erhob - Achilleus war inzwischen neun Jahre alt geworden und bereits ein Jüngling von großer Heldenkraft -, da drangen die Worte der Prophezeiung auch tief hinab durch die See an das unsterbliche Ohr der Göttin Thetis. Und da auch sie die Gabe besaß, in die fernste Zukunft zu blicken, und wusste, dass der Feldzug gegen Troia ihrem Kinde den Tod bringen sollte, stieg sie aus dem Meere empor, eilte voll Angst und mütterlicher Sorge in den Palast ihres Gatten und legte dem Knaben Mädchenkleider an. So brachte sie ihn heimlich fort auf die Insel Skyros zu dem König Lykomedes. Diesen bat sie: "Nimm mein Kind zu dir, ziehe es unter deinen Mädchen als Jungfrau auf, lass es weibliche Arbeiten lernen und verrate sein Geheimnis niemandem!" Kalchas aber, der den Willen der Götter aus dem Fluge der Vögel ablesen konnte und dessen Auge alles durchdrang, Kalchas blieb der Aufenthalt des Knaben nicht verborgen. Er verriet ihn den Griechen, die sich zu Aulis sammelten, und so kam es, dass eines Morgens die Fürsten Odysseus und Diomedes auf Skyros landeten. Man führte sie vor den König und dessen Mädchen, doch war Achilleus von Angesicht noch so zart und jungfräulich, dass er sich nicht von den Gespielinnen unterschied. Da ersann Odysseus eine List. Er ließ heimlich einen Speer und einen Schild in den Frauensaal bringen, in dem die Mädchen sich aufhielten, und dann vor dem Tore die Trompete blasen, als ob der Feind anrückte. Zu Tode erschrocken, flohen die Mädchen, nur Achilleus blieb und griff mit wilden Blicken nach Speer und Schild. Da lachten die Fürsten. Odysseus ging auf den Knaben zu, reichte ihm die Hand und rief: "Du kannst deinen Vater nicht verleugnen, Sohn des Peleus! Lege die Weibertracht ab und umgürte deine Lenden mit Waffen, dein Haupt aber ziere der Helmbusch. So gefällst du den Göttern besser!"

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