Troias Erbauung und das Urteil des Paris
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Ilos gehorchte. Die Kuh aber lagerte sich erst bei dem Orte Troia, der damals noch ein offener Flecken ohne schützende Mauer war. Und so ging denn Ilos daran, hier in seiner Heimat auf einem Hügel dicht neben der Siedlung eine wehrhafte Burg zu errichten, deren Name - Ilios, Ilion oder Pergamos - bald auch auf die von ihr beschirmte spätere Stadt Troia überging. Ehe jedoch Ilos den Grundstein legte, rief er seinen göttlichen Ahnherrn Zeus an, er möge ihm ein Zeichen senden, ob sein Vorhaben den Göttern auch gefällig sei. Am anderen Morgen fand er vor seinem Zelt an der Baustelle eine drei Ellen hohe geschnitzte Statue. Die Gestalt hatte die Füße geschlossen, trug in der Rechten einen erhobenen Speer, in der Linken aber Spinnrocken und Spindel. Es war das Palladion, ein Abbild der Göttin Athene, zugleich aber auch ein Abbild ihrer heißgeliebten Freundin Pallas, der sie wie eine Zwillingsschwester geglichen hatte und die ihr durch ein grausames Geschick entrissen worden war. Pallas, die Tochter eines Meergottes, war mit Athene innig befreundet, keine tat ohne die andere einen Schritt. Eines Tages trugen die beiden ein scherzhaftes Waffenspiel aus, das ein schlimmes Ende nahm. Zeug, der dem hitzigen Zweikampf der Jungfrauen zusah, hielt plötzlich aus Angst um seine Tochter den Schild vor Athene. Erschrocken blickte Pallas auf, vergaß sich zu schützen und sank auch schon im selben Augenblick, von Athenes Speer tödlich getroffen, zusammen. Athene war über dies Missgeschick untröstlich. Ihren Kummer zu stillen, ließ sie ein getreues Abbild der Freundin herstellen, das betrachtete sie, sooft sie nur konnte. Den geliebten Namen der Entschwundenen aber trug sie fortan selbst und setzte ihn vor den eigenen: Pallas Athene. Dem geheiligten Bildnis der Jungfrau wohnten reiche Wunderkräfte inne: wer es besaß, dem gedieh alles zum Guten, der Segen der Götter war mit ihm. Und dieses herrliche Bildwerk hatte Zeus mit Erlaubnis seiner Tochter zur Erde hinabgeworfen, gerade vor das Zelt des Königs1 . So standen Troia und die von Ilos erbaute Burg im Schutze höchster Gottheiten. Auf Ilos folgte Laomedon, ein gewalttätiger König, der Sterbliche wie Unsterbliche betrog. Zu seiner Zeit waren Apollon und Poseidon gerade von Zeus verstoßen worden, weil sie sich gegen den Göttervater empört hatten. Heimatlos wanderten sie über die Menschenerde. Laomedon gewann beide für sich und baute mit Hilfe des Poseidon eine gewaltige Mauer rund um Troia, indes Apollon des Königs Rinder durch die Schluchten und über die Hänge des Idagebirges trieb, so dass auch die Hirten beim Bau der Mauer mithelfen konnten. Als das Werk vollendet war, forderten Poseidon und Apollon den ausbedungenen Lohn. Der König aber schrie sie an: "Schert euch fort, oder ich lasse euch an Händen und Füßen fesseln und euch die Ohren abschneiden!" Da schieden die Götter als Feinde der Stadt, und auch Pallas Athene, welche den Troern mit dem Palladion ihre ganze Huld gespendet hatte, kehrte ihrer Lieblingsstadt bald den Rücken.. . Und ob es später, als die Griechen mit Heeresmacht vor Ilion erschienen, auch mitunter so aussah, als stünde Apollon auf seiten der Troer -im Grunde seines Herzens war er ihnen doch gram. Poseidon aber beschloss, dereinst die Bergbäche zu entfesseln, die vom Ida zur Stadt hinabströmten, und auch das Meer gegen die Troer zu empören.

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In späterer Zeit wurde das Palladion von dem listigen Griechenhelden Odysseus in dessen Heimat entführt; auch dass es der fromme Aeneas aus Troia nach Italien gebracht habe, erzählt man. Von Rom, wo es lange gewesen sei, habe es dann der Christenkaiser Konstantin nach Konstantinopel getragen, und heute, so heißt es, wartet es irgendwo im Osten verborgen auf den Tag, da man es wiederfinden wird, zum Segen aller Völker