Entsühnung und Tod
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Er rief nach einer Spende Wassers aus dem nahen Quell, löste sein armseliges Bettlerkleid und wusch sich allen Schmutz der langen Wanderung ab. Dann zog er ein reines, schmuckes Gewand an, das seine Töchter ihm aus Kolonos in den Hain hatten bringen müssen, und als er nun völlig umgekleidet und wie erneuert dastand, erzitterte plötzlich der Boden von einem unterirdischen Donner. Da warfen sich Antigone und Ismene nieder und bargen voll Abschiedsweh die Häupter in seinen Schoß.
Oidipus schlang die Arme um sie und sprach: "Kinder, lebt wohl! Von heute an habt ihr keinen Vater mehr." Aus dieser Umarmung weckte sie alle drei eine donnergleiche Stimme, von der man nicht wusste, ob sie vom Himmel kam oder aus der Unterwelt herauf tönte:
"Was säumst du so lange, Oidipus? Was zögerst du, mit mir zu gehen?"
Da wusste Oidipus, dass der Gott ihn abberief. Er machte sich aus den Armen der beiden Jungfrauen los, fasste ihre Hände und legte sie in die Hände des Athenerkönigs, zum Zeichen, dass dieser sich ihrer annehmen und sie nimmermehr verlassen möge. Zum Volk von Kolonos gewendet, sagte er freundlich und milde: "Nun entfernt euch von hier und schauet euch nimmer um, so wollen es die Götter." Nur Theseus durfte bei ihm bleiben und an seiner Seite sich der ehernen Schwelle nähern.
Das Volk und die beiden königlichen Jungfrauen hatten dem Befehl gehorcht und wandten sich erst um, als sie schon eine gute Strecke schweigend dem Ausgang des Haines zugeschritten waren. Da hatte sich ein großes Wunder ereignet: Von König Oidipus war keine Spur mehr zu sehen, kein Blitz zuckte mehr, kein Donner rollte, kein Wirbelsturm riss mehr an den Wipfeln der Bäume; tiefste Stille herrschte rings in der Luft wie auf der Erde. Die dunkle Schwelle der Unterwelt schien sich lautlos für ihn aufgetan zu haben, und der entsündigte Greis war durch den Erdspalt sanft wie von Geisterflügeln hinabgetragen worden, ohne Pein und ohne Stöhnen.
König Theseus war allein zurückgeblieben. Er stand da und überschattete mit der Hand die Augen, als hätte er ein überwältigendes göttliches Gesicht gehabt, dessen überirdisches Licht ihn noch blendete. Dann erhob er die Arme zum Himmel und pries die olympischen Götter; hierauf warf er sich demütig zur Erde und flehte zu den Göttern der Unterwelt. Schließlich kehrte er zu den Jungfrauen zurück, nahm sie unter seinen väterlichen Schutz und ging mit ihnen, in tiefsinnige Betrachtungen versunken, nach Athen zurück.
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Die feindlichen Brüder »