Iason und Medeia
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Wohin der Wagen mit der Königstochter und ihren Dienerinnen kam, wich das Volk ehrerbietig aus dem Wege. Als sie auf dem freien Feld vor dem Tempel ankamen, sprang Medeia leichtfüßig vom Wagen und schritt ihren Mägden voran in das Heiligtum hinein. Als sie mit ihnen allein und ungesehen war, sprach sie listig und geheimnisvoll: "Ich habe gesündigt, da der Fremde mein Herz bezauberte. Nun verlangt gar meine Schwester, ich solle ihm helfen, die Stiere zu bändigen, und ihn unverwundbar machen. Zum Scheine stimmte ich zu und bestellte Iason hierher, wo ich allein mit ihm sprechen kann. Bringt er mir Geschenke, so will ich sie nehmen und unter euch verteilen - ich jedenfalls gebe ihm eine Arznei, an der er zugrunde gehen soll. Freundinnen, sobald der verhasste Fremdling naht, entfernet euch, damit ich allein bin mit ihm, wie ich es versprach." Den Mägden gefiel der schlaue Plan ihrer Priesterin, und als Iason bald darauf den Tempel betrat, verbargen sie sich in entfernten Gemächern. Schön wie der Sirius-Stern, wenn er dem Ozean entsteigt, schritt Iason einher, hoch und strahlend. Da war es Medeia, als fiele ihr das Herz aus der Brust. Dunkel umfing ihre Augen, ihre Wangen bedeckte heißes Rot. Schweigend standen der Held und die Königstochter einander gegenüber, hohen Tannen oder Eichen vergleichbar, die auf den Bergen tief eingewurzelt in Windstille regungslos beieinanderstehen. Plötzlich aber kommt ein Sturm gefahren, und alle Blätter und Zweige zittern in rauschender Bewegung: so sollten, vom Hauch der Liebe angerührt, auch Iason und Medeia bald erzittern und bewegte Worte tauschen. "Warum blickst du so scheu, nun, da wir allein sind?" fragte Iason. "Als Schutzflehender nahe ich, der Fremdling, mich dir, der edlen Priesterin, und bitte dich um das Heilmittel, das du deiner Schwester für mich versprochen."

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