König Aietes
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Aietes erschrak tief in seinem Herzen, als er dies hörte, und zürnte seinem Enkel, weil er glaubte, Argos habe die Fremdlinge in tückischer Absicht an seinen Hof gebracht. Seine Augen brannten unter den finsteren buschigen Brauen, als er die Argonauten plötzlich anfuhr: "Verlasset mein Haus, ihr Frevler, und kehrt mit eurem verfluchten Schiffe heim! Bleibt mir mit euren Ränken vom Leibe! Nicht um das Vlies zu holen, seid ihr gekommen, sondern um mir Zepter und Krone zu entreißen! Säßet ihr nicht als Gäste an meinem Tisch, längst hätte ich euch die Zungen ausreißen und die Hände abhauen lassen und euch nur die Füße geschenkt, damit ihr davonlaufen könnt!"
Iason aber ließ sich vom Zorn des Königs nicht anstecken. Sanft und freundlich entgegnete er: "Fasse dich, König Aietes. Nicht heimliche Räuber bewirtest du in deinem Palast - wer möchte auch ein so weites, so gefährliches Meer befahren, nur um sich fremdes Gut zu holen? Nein, das Schicksal und der grausame Befehl eines bösen Fürsten führten mich ins Kolcherland. Und so bitte ich dich, verleihe uns das Vlies als eine Gnade: ganz Griechenland wird dich dafür verherrlichen und wie einen Gott verehren!"
So sprach der Held. Aietes aber wälzte dunkle Empfindungen und Pläne in seinem Herzen. Er schwankte, ob er die Fremdlinge nicht am besten gleich alle umbringen lassen oder ob er zuvor noch ihre Kräfte auf die Probe stellen sollte. Nach einigem Besinnen entschloss er sich für die Probe und sprach: "Was braucht es der ängstlichen Worte und Bitten? Seid ihr Göttersöhne oder sonst nicht schlechter als ich, so mögt ihr das Goldene Vlies mitnehmen, tapferen Männern gönne ich alles. Doch müsst ihr mir zuvor eine Probe eurer Kraft geben und eine Arbeit verrichten, die ich selbst bisweilen zu tun pflege, so gefährlich sie ist. Auf dem Felde des Ares, das ihr saht, weiden zwei Stiere mit ehernen Füßen und flammenspeienden Nüstern. Mit ihnen durchpflüge ich das raue Feld, und ist alles umgeackert, so säe ich nicht Demeters goldenes Korn in die Furchen, sondern grässliche Drachenzähne, aus denen sogleich gewaltige Männer hervorwachsen, die mich von allen Seiten umringen. Ich erlege sie alle mit meiner Lanze. Am Morgen schirre ich die Stiere an, am späten Abend ruhe ich von der Ernte aus. Vollbringst du das gleiche, Held Iason, der du diese anführst, so magst du das Vlies noch am selben Tage von der Eiche herabholen und mit dir fortnehmen nach deines Königs Haus; doch eher nicht."
Stumm und unschlüssig verharrte Iason. Ein furchtbares Werk war ihm da aufgetragen, und er wagte nicht, es keck zu versprechen. So sagte er nach einer Weile: "Die Aufgabe, die du mir stellst, o König, ist groß; dennoch will ich versuchen, sie zu bestehen, und wenn ich dabei umkommen sollte. Schlimmeres als der Tod kann einen Sterblichen nicht erwarten, und der Tod ist jedes Helden Genoss. So gehorche ich dem Schicksal, das mich hieher entsandt hat."
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