Die Fahrt nach Kreta
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Das Volk bewunderte seinen Edelmut und seinen aufopfernden Bürgersinn. "Dieser Jüngling wäre fürwahr wert, dereinst unser Herrscher zu sein", sagten die Ältesten, "schade, dass er sich nun selbst dem Tode auf Kreta weiht." König Aigeus aber war außer sich vor Gram über den Entschluss seines Sohnes. "0 Theseus", rief er aufschluchzend, "was tust du mir an? Endlich habe ich einen Erben, endlich haben mir die neidischen Götter den erflehten Sohn gewährt, und nun willst du selber deinen alten Vater dieses späten Glückes so grausam berauben?" Doch wie dringend er ihn auch beschwor, Theseus blieb fest. "Klage nicht, lieber Vater und König", sagte er, "wohl begleite ich diese Jünglinge und Mädchen nach Kreta, aber ich schwöre dir, dass wir heil und fröhlich wiederkehren werden! Nicht ins Verderben reise ich, sondern zum Siege über den Minotauros." Da schwieg der Vater und beugte sich dem Willen seines starken Sohnes. Das Todesschiff wurde ausgerüstet. Bisher hatte man es zum Zeichen dafür, dass die, welche es nach Kreta hinüberführte, rettungslos verloren waren, mit einem schwarzen Segel versehen. Jetzt aber, da Afgeus den Sohn mit so kühnem Stolze hatte reden hören, ließ er das Schiff zwar noch auf dieselbe Weise ausstatten, doch gab er dem Steuermann noch ein zweites Segel von weißer Farbe mit und befahl ihm, wenn Theseus wirklich gerettet zurückkehrte, dieses aufzuziehen, damit man auf Attika die Freudenbotschaft schon von weitem über das Meer her empfange. "Kehrst du aber allein, ohne Theseus und die anderen, zurück", sprach der König, "so hisse das schwarze, damit wir auch das Unglück früh genug erfahren." Das Orakel von Delphi, an welches sich Theseus kurz vor der Abreise wandte, riet dem Helden, er möge die Göttin der Liebe zur Führerin wählen und sie um ihr Geleit bitten. Er verstand den Spruch nicht, gehorchte aber und brachte der Aphrodite im Angesicht des Meeres ein Opfer dar. Als er jedoch auf Kreta gelandet war, erfuhr er bald den tiefen Sinn der Weissagung. Denn als er vor König Minos erschien, da zog seine Schönheit und Heldenjugend die Augen der reizenden Königstochter Ariadne auf sich. Sie verlor ihr Herz an ihn, ließ ihn zu einer geheimen Unterredung bitten und gestand ihm ihre Zuneigung. Dabei händigte sie ihm einen Knäuel ein und sprach: "Binde das Ende dieses Fadens am Eingang des Labyrinthes fest und lasse den Knäuel in der Hand ablaufen, während du die schrecklichen Irrgänge des Baues durchschreitest. Hast du die Stelle gefunden, wo das Ungeheuer wacht, und hast du es überwältigt, so spule den Faden wieder auf, er wird dich sicher aus dem Labyrinth hinausführen." Hierauf übergab ihm Ariadne ein Schwert, mit welchem er den Minotauros töten konnte, und flehte den Segen der Liebesgöttin auf ihn herab.

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