Der Weg zum Vater
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Abstieg in die Unterwelt in die Mysterien hatte einweihen lassen, begegnete Theseus dem Wegelagerer Kerkyon. Dieser Mörder forderte die Vorbeireisenden zum Ringkampf auf, und siegte er, brachte er sie kurzerhand um. In Theseus aber, der sich ihm unverzagt stellte, fand er endlich seinen Meister,
der mit ihm genauso verfuhr wie er bisher mit den friedlichen Wanderern und Pilgern. So war die Welt auch von diesem Ungeheuer befreit.
Als Theseus eine kleine Strecke weitergereist war, kam er zu dem letzten und grausamsten jener Straßenräuber, dem Damastes, den aber jedermann nur unter seinem Beinamen Prokrustes, das heißt "Gliederausrenker", kannte.
Prokrustes hatte zwei Bettstellen, eine sehr kurze und eine sehr lange. Kam nun ein Fremder in sein Gehege, der klein und gedrungen von Gestalt war, so führte ihn der finstere Geselle zur langen Bettstelle und sprach: "Wie du siehst, ist meine Lagerstatt viel zu groß für dich, darum muss ich dir das Bett anpassen - als fürsorglicher Gastgeber, der ich bin!" Und damit dehnte er dem Ärmsten die Glieder so lange aus, bis der Gequälte seinen Geist aufgab. Kam aber ein sehr langer Gast, so brachte er ihn zu der kurzen Bettstelle und sprach: "Es tut mir leid, mein Guter, dass mein bescheidenes Lager nicht für dich gemacht und darum viel zu klein ist - erlaube, dass ich dem Übelstand abhelfe!" Und damit hieb er dem Wehrlosen die Füße ab, so weit sie das Bett überragten; der Verstümmelte blutete elendiglich zu Tode.
Diesen Prokrustes, der ein Riese von Gestalt war, bändigte Theseus ringend. Der Grausame musste nun selbst in das kleine Bett, worin er jämmerlich umkam. - So bestrafte Theseus diese Verbrecher nach der Art ihrer eigenen Untaten.
Auf seiner ganzen bisherigen Reise war dem Helden nichts Freundliches begegnet, doch war seine Kraft in all den Kämpfen gewaltig gewachsen; seit er den Prokrustes getötet hatte, fühlte er sich überdies in seinem Gemüt mit einem wunderbaren Gleichmut beschenkt:
wohl empfand er Schmerz und Freude, Beglückung und Zorn wie bisher, aber er geriet niemals außer sich.
Nun aber führte ihn sein Weg an den Fluss Kephissos heran, wo er von einigen Männern aus dem Stamme des Phytalos gastfreundlich aufgenommen wurde. Der Ahnherr dieser Phytaliden war ein Herold gewesen, der im heiligen Eleusis die Göttin der Feldfrucht und der Gesetze, Demeter, gastfreundlich aufgenommen und bewirtet hatte. Zum Lohn für seine Güte hatte ihn die Göttin mit einem Feigenbaum-Schößling beschenkt, von welchem alle Feigenbäume rings um das sonnengesegnete Mittelmeer abstammen.
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