Die nächsten drei Arbeiten
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Und wieder trat Pallas Athene auf ihn zu und sprach: "Heil dir, Herakles, dass du die argen Kentauren schlugst! Halb sind sie Tier, halb sind sie Mensch, am Kampf mit dem Wildschwein wollten sie dich hindern. Du aber hast den alten Grunzer und Wühler vom Berge Erymanthos überwunden; mit ihm zugleich alle niederen Lüste
und Begierden, die so manchen durchwühlen und verwüsten. Auch in dir lauerten sie. Nun aber steht dein Sinn nach Höherem, ja nach dem Höchsten! Erklimme du Stufe nach Stufe, bis sich die Reiche der Götter dir öffnen. Verzage nicht und nimm meinen stärkenden Gruß."
Die fünfte Arbeit, die Herakles verrichten sollte, war eines Helden und Halbgottes wenig würdig: er sollte den Viehhof des Königs Augeias ausmisten!
Augeias war König von Elis, einer Landschaft am Ionischen Meer, welche als Stätte der heiligen olympischen Spiele und durch ihren Zeusdienst Gottesfrieden genoss, das heißt, es durften in ihr keinerlei bewaffnete Fehden ausgetragen werden.
Dieser König hatte gewaltige Viehherden, die nach Art der Alten in einer Umzäunung aus starken Pfählen vor dem Palaste untergebracht waren. Dreitausend Rinder hatten dort geraume Weile zugebracht und im Lauf der Jahre eine unendliche Menge Mist aufgehäuft, die Herakles nun - zu seiner Schmach und noch dazu an einem einzigen Tage - hinausschaffen sollte.
Die Aufgabe schien selbst eines Halbgottes Kräfte zu übersteigen, und als Herakles vor den König trat und ihm den genannten Dienst anbot, wobei er verschwieg, dass er es im Auftrage des Eurystheus tat, lächelte Augeias nur. Wie kann einen so herrlichen, edlen Krieger, den eines Löwen Haut bedeckt, nach so gemeinem Dienst gelüsten, der doch nur Knechten ziemt? Nie schafft der Mann diese Arbeit in einem Tag, aber wahrscheinlich verführt ihn der Eigennutz, und er erhofft sich einen großen Lohn von mir. Den kann ich ihm getrost versprechen.
So dachte Augeias. Dann sagte er laut: "Höre, Fremdling, wenn du mir wirklich an einem einzigen Tag meinen Stall von allem Mist säuberst, so will ich dir dafür den zehnten Teil meines ganzen Viehstandes schenken. Überschreitest du jedoch die Frist, so magst du unbelohnt wieder von dannen ziehen."
Herakles war einverstanden, und der König dachte, er würde nun wohl zu schaufeln beginnen und auch die Mistgabel fleißig gebrauchen. Herakles aber rückte den gewaltigen Massen ganz anders zu Leibe. Er riss die Umzäunung des Hofes auf der einen Seite auf, lenkte das Wasser der Flüsse Alpheios und Peneios, die unweit vorbeiströmten, durch einen tiefen Graben herzu und spülte mit der kräftigen Flut den Mist durch eine zweite, tiefer gelegene Öffnung hinaus. So entledigte er sich des schmachvollen Auftrages auf eine Weise, die selbst einen der Unsterblichen nicht erniedrigt hätte.
Jetzt erst eröffnete er dem König, dass er auf Befehl des Eurystheus gehandelt habe, und als Augeias dies hörte, verweigerte er dem Helden seinen Lohn. "Ich habe dir gar nichts versprochen", rief er, "aber wenn du auf deiner Forderung beharrst, so mögen die Richter entscheiden!"
Als das Gericht beisammensaß und über das Urteil beriet, bat Herakles, man möge doch den Sohn des Augeias vorladen. "Er hat unserem Zwiegespräch beigewohnt", sagte er, "er wird der Wahrheit die Ehre geben und für mich zeugen."
Die Richter gaben dem Antrag statt, und in der Tat zeugte der Sohn gegen den eigenen Vater und für den Fremdling. Augeias aber wartete den Rechtsspruch nicht ab, der zu seinem Nachteil ausgefallen wäre, sondern wies beide, den Helden wie seinen Sohn, voll Zorn aus seinem Reich.
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