Tantalos und Pelops
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Über Tantalos aber brach der entfesselte Zorn der Götter herein; das Maß seiner Frevel war übervoll! Sie stießen ihn in den Tartaros, in die Hölle hinab, wo er Qualen und Peinigungen erdulden musste. Mitten in einen Teich ward er gebannt, die Wasser umspielten sein Kinn; dennoch litt er den brennendsten Durst; er konnte den kühlenden Trank, der ihm so nahe war, niemals erreichen. Bückte er sich, um zu trinken, wollte er den Mund gierig ans Wasser bringen, so wich die Flut hinab, versiegte im Boden, und der dunkle Grund breitete sich zu seinen Füßen aus. Auch verzehrender Hunger quälte den König. Am Ufer des Teiches standen die herrlichsten Fruchtbäume, sie ragten hoch empor und wölbten ihr Gezweig über das Haupt des Sünders. Sobald jedoch Tantalos sich streckte, um nach einer saftigen Birne oder einem rotwangigen Apfel, nach einer der süßen Feigen oder ölreichen Oliven zu langen, fuhr ein Sturmwind daher und riss die schweren Äste bis hoch an die Wolken hinauf. Zu dieser Doppelpein ewigen Durstes und ewigen Hungers kam als dritte eine beständige Todesangst, denn ein mächtiges Felsstück schwebte über seinem Haupte frei in der Luft und drohte unaufhörlich herabzustürzen. So war dem Verächter der Götter, dem ruchlosen Tantalos, nie endende Strafe in der Unterwelt beschieden. Der Fluch, den die Himmlischen auf den frevelmütigen König herabgeschleudert hatten, lastete auch auf dessen Nachkommen, deren unselige Verbrechen ihn noch furchtbarer anwachsen ließen. Pelops, des Tantalos Sohn, wurde in einem mörderischen Kriege von Ilos, dem König des benachbarten Troia, aus seinem Reiche vertrieben und flüchtete aus Kleinasien nach Griechenland. Der Ruf der schönen Hippodameia, der Tochter des Königs Oinomaos von Elis, zog ihn nach dem gebirgereichen Süden des Landes. Dort erblickte er die Königstochter und fand sie noch tausendmal schöner, als alle Worte es zu schildern vermochten. Er beschloss, um sie zu werben. Doch die Werbung war mit Todesgefahren verbunden. König Oinomaos hatte einst durch ein Orakel erfahren, er werde von der Hand seines Eidams umkommen; darum erlegte er jedem, der sich um die schöne Hippodameia bewarb, eine Probe auf, die keiner bestehen konnte.

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