Olympos, Erde und Unterwelt
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Es ist ein düsteres Bild, das sie uns überlieferten: An der Schwelle des öden Totenlandes wachte Kerberos, der schreckliche dreiköpfige Höllenhund. Schweifwedelnd begrüßte er jeden Verstorbenen, doch wollte einer von ihnen wieder zurück in die Oberwelt, so stellte er sich ihm fauchend, brüllend und giftspeiend entgegen und verwehrte ihm den Ausgang. Hinter diesem Untier wartete in einem morschen Nachen Charon, der Totenfährmann. Er brachte die Seelen über die fünf Wasserläufe des Tartaros: über den Seufzerfluss Acheron, den Klagefluss Kokytos, über den brennenden Pyriphiegethon, über die verhasste, nacht-schwarze Styx und endlich über die wohltätige Lethe, den Fluss des Vergessens; aus diesem trinken alle Toten, und alles, was sie je im Leben bedrückte, Kummer, Sorge und Leid, entschwindet für immer ihrem Gedächtnis. Erst wenn die Seelen diese Flüsse hinter sich haben, betreten sie den schaurigen Palast des Hades. Dieser Zeusbruder, nach welchem man später die ganze Unterwelt benannte, war zum Herrn und Gebieter über alle Toten gesetzt. Als strenger Richter wies er jeder Seele ihren Aufenthalt oder ihre Strafe zu. Er teilte seinen Thron mit Persephone, einer Tochter der lebensfrohen Demeter, der Göttin der Fruchtbarkeit. Hades - auch Pluton genannt - hatte Persephone auf einer Blumenwiese der Insel Sizilien geraubt und in sein Reich hinabgezwungen. Demeter war untröstlich. Sie entzündete am feuerspeienden Ätna eine Fackel und durchsuchte mit dieser die ganze Erde, aber sie fand ihre Tochter nirgends. Die Göttin Hekate, an die sie sich wandte, hatte wohl den Hilfeschrei der unglücklichen Jungfrau gehört, wusste aber nicht zu sagen, wo sie sich befinde, zu schnell hatte sich die Erde über Persephonens Haupt geschlossen. Erst Helios, der Allessehende, entdeckte die Geraubte an der Seite des Schattenherrn und verriet der verzweifelten Demeter ihren Aufenthalt. Die Göttin sprach über die Erde den Fluch der Unfruchtbarkeit aus und schwur, sich so lange aus der Gemeinschaft der olympischen Götter zurück zuziehen, bis man ihr den Anblick der geliebten Tochter wieder gewähre. Nun eilte Hermes auf einen Wink des Götterkönigs in den Tartaros hinab, die holde Jungfrau wieder in die Oberwelt zu bringen. Hades musste die Geliebte herausgeben, doch bat er sie, sie möge mit ihm zum Abschied einen Granatapfel teilen. Persephone willigte ein, ohne zu ahnen, was sie damit tat. Denn durch den Genuss dieser Unterweltfrucht verband sie sich auf immer mit dem Schattengott, so dass sie nur zwei Drittel des Jahres bei ihrer Mutter auf der lieben Erde weilen durfte, das dritte Drittel aber bei Hades verbringen musste. Weilte Persephone in der Oberwelt, dann war Frühling und fruchtbringender Sommer. Weilte sie in der Tiefe, dann war es Winter. Traurig saß Persephone auf dem Thron neben Hades, Finsternis war um sie her und unendliches Seufzen. Denn die Zeit, da der von aller Welt ersehnte, heilende Sonnengeist erschien, von dem gesagt ist, er sei "niedergefahren zur Hölle und wieder auferstanden nach dreien Tagen", diese Zeit war noch fern. Noch war das Totenland ein gar dunkles, leidvolles Land

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