Niobe und ihre Kinder
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Erschrocken gehorchten die Frauen. Schweigend entfernten sie die Kränze, ließen die Opfer unvollendet und schlichen nach Hause, wo sie die gekränkte Gottheit mit stillen Gebeten verehrten und um Vergebung anriefen.
Fern auf der Insel Delos stand Leto mit ihren Zwillingen auf Bergeshöhe und verfolgte mit ihrem Götterauge alles, was sich zu Theben begab. "Seht, Kinder", sprach sie, "ich, eure Mutter, die außer Hera keiner Göttin weicht, muss mich von einer frechen Sterblichen schmähen und von den alten, heiligen Altären stoßen lassen
- und auch ihr werdet von Niobe beschimpft: ihrem Kinderhaufen setzt sie euch nach!"
Sie wollte ihren Klagen noch Bitten hinzufügen, aber Apollon wehrte es ihr mit stummer Gebärde, Finsternis umfloss augenblicklich seine Sonnengestalt, und auch Artemis, die Schwester, immer gleichen Sinnes mit ihm, hüllte sich in eine dichte, dunkle Wolke. Sie flogen mit raschem Schwung durch die Lüfte und erreichten im Nu des Kadmos ragende Stadt und Burg. Hier auf dem Blachfeld vor den Mauern tummelten sich Niobes sieben Söhne in männlichem Spiel. Die einen ritten feurige Rosse zu, die anderen rangen oder warfen den Diskus in weitem Bogen durch die Luft. Ismenos, der älteste, lenkte sein Pferd gerade in kunstvoll tänzelndem Trabe im Kreise umher, das edle Tier mit leichter und doch unerbittlicher Hand bändigend, als er plötzlich: "Weh mir!" ausrief, die Zügel aus den erschlafften Händen fahrenließ und, einen furchtbaren Pfeil Apollons mitten im Herzen, langsam rechts am Buge des Rosses heruntersank. Sein Bruder Sipylos, genannt nach der Heimatstadt seines Großvaters Tantalos, war neben ihm geritten und hatte in den Lüften über sich das Gerassel des furchtbaren Köchers gehört. Nun sprengte er mit verhängtem Zügel auf und davon, eine schützende Zuflucht zu finden. Aber er kam nicht weit: ein schwirrender Pfeil holte ihn ein, hoch aufragend haftete ihm der Schaft zitternd im Genick, und das nackte Eisen ragte vorne zum Halse heraus; über die Mähne des Pferdes glitt der zu Tode Getroffene zu Boden. Phaidimos und Tantalos, der den Namen seines berühmten Großvaters trug, tötete der zornige Gott mit einem einzigen Geschoss:
Brust an Brust heftete sie der Pfeil zusammen, denn sie hatten gerade miteinander gerungen. Sie seufzten auf, wälzten sich schmerzzuckend im Staube und hauchten mit einem gleichzeitigen Atemzuge
die Seele aus.
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