Das Reich des Kronus
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Nyx aber, die Nacht, blieb auch nicht untätig.Sie hatte in Urzeiten den leuchtenden Tag und den Äther geboren nun aber gebar sie, beständig in schwarzes Gewölk gehüllt, Thanatos, den Tod, und Hypnos, den Schlaf, und Morpheus, den Gott der lieblichen und schrecklichen Träume. Sie gebar auch das Alter und die Zwietracht, den Betrug und die Tadelsucht, Mord und Mitleid, Rachsucht und Raub. Sie gebar Nemesis, die Göttin der Vergeltung, und auch die drei Schicksalsgöttinnen Kiotho, Lachesis und Atropos:
Klotho hält den Spinnrocken des Schicksals, Lachesis zupft den Lebensfaden heraus und spinnt ihn, Atropos schneidet ihn mit der Schere ab, wenn die Zeit gekommen ist, da wir sterben sollen. So wirken die drei Glück und Unglück des menschlichen Daseins, und wo ein Kindlein zur Welt kommt, da treten sie an seine Wiege und bestimmen sein künftiges Los.
Je mehr und je strahlendere Götter in den Ätherhöhen entstanden, desto mehr finstere gebar Nyx, zur Qual der Menschen. Sie hatte ihren ständigen Wohnsitz im fernsten Westen, jenseits des Okeanos an den Grenzen der Welt. Unweit ihres Reiches lag der Garten der Hesperiden, in dessen Mitte ein Baum mit goldenen Äpfeln aufragte. Doch ehe dieser Baum entstand, musste noch viel Schreckliches im Himmel und auf der Erde geschehen. Kronos war nämlich ein kaum geringerer Frevler als sein Vater Uranos: er fraß seine Kinder. Wie die Stunde die Minuten, der Tag die Stunden und das Jahr die Tage verschlingt, so verschlang Kronos, durch den die unerbittliche Zeit in die zeitlos-ewige Welt gekommen war, seine Kinder, die ihm die Titanin Rheia gebar. Er tat es aber aus Angst. Hatte ihm denn nicht Uranos prophezeit, er werde dereinst durch eines seiner Kinder die Herrschaft über das Weltall verlieren? Also durfte keines am Leben bleiben, denn jedes konnte sein Mörder werden, und kaum war eines geboren, so stürzte sich Kronos darauf und verschlang es. Wie einst Urmutter Gaia über ihre im Tartaros schmachtenden Kinder stöhnte, so stöhnte jetzt Rheia in unendlichem Schmerze auf, und als sie fühlte, dass sie Zeus, den kommenden Herrn der Welt,
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