Gaia und Uranos
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In ihren Tiefen breitete sich Tartaros aus, die furchtbare Unterwelt, indes ihre Täler und Ebenen bereit waren, den Fuß des Menschen zu tragen, ihm ein wegsames, nährendes Gelände abzugeben. Noch aber war es nicht so weit. Noch war Urmutter Gaia ein wogendes, bildefreudiges Wesen, und sie gebar aus sich heraus Nyx, die Nacht, und Erebos, den Gott der Finsternis, der im Tartaros hauste. Nyx aber, mit Erebos vermählt, gebar - o Wunder! - zwei ihr gar unähnliche Kinder: den Tag und den Äther, welcher der Vater unserer Luft und des blauen Himmels wurde. Später nannten die Griechen den Äther die Seele der Welt, darin die Götter atmen. Nun gebar Gala aus sich selbst Uranos, den Sternenhimmel, der sie beständig umhüllt, hierauf die hohen Wälder auf den Flanken der Gebirge, die künftige Wohnstatt heiliger Nymphen, und als drittes gebar sie Pontos, den Gott des von gebuchteten Küsten umschlossenen Binnenmeeres, dessen tiefblaue Wellen das Gestade Griechenlands bespülen und die mutig bemannten Schiffe von Insel zu Insel tragen. Zuletzt umgürtete ihr wilder Sohn Okeanos die feste Gestalt der Mutter: als ewig aufgebrachter Weltmeerstrom umkreist er die herrliche Erdenscheibe. Wehe dem, der sich auf ihm zu weit hinauswagte! Schrecklicher Tod drohte ihm; mitsamt dem zerfetzten Segel und dem geknickten Mast verschlang ihn das Dämmerreich jenseits des Wassers, wo die schlangenhaarigen Gorgonen-Ungeheuer hausen, und nur auserwählte Tote durften ungestraft über den Okeanos hinüberschweben zu den Inseln der Seligen im Westen, wo die Sonne untergeht. Aber das waren noch lange nicht alle Kinder, welche Gaia, die Urmutter, gebar. Mit Gott Uranos vermählt, schenkte sie starken Söhnen und Töchtern Leben und Wirksamkeit. Sie gebar Kottos, Briareos und Gyes, gewaltige, hundertarmige Riesen, ferner die Urwelt-Kyklopen Brontes, Steropes und Arges, welche inmitten der Stirn ein einziges, stets nach oben blickendes Auge trugen und über ungeheure Kraft, Gewalt und Erfindungskunst verfügten; schließlich gebar Gaia dem Uranos die unbändigen, herrschsüchtigen Titanen und Titaninnen: Koios, Iapetos und Hyperion, Themis und Theia, Tethys und Rheia. Auch Okeanos war ein solcher Sohn des Himmels und der Erde, und viele andere noch. Der jüngste aber war Kronos, der Gott der Zeit; auf ihn fiel das Los, seinen Vater Uranos zu entthronen, und das kam so:

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