In der neuen Heimat
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Der Ort, wo ihr das tun werdet', sprach er, ist eure neue Heimat. Dort mögt ihr bleiben, dort baut Hütten und Häuser und umschanzt die Siedlung mit einem festen Wall.' Des Vaters Wort hat sich erfüllt, wir essen unsere Tische. Auf denn, durchstreift das fruchtbare Land, erforscht sein Volk und meldet mir den Namen und die Burg seines Königs!"
Die Freunde gehorchten, und noch am selben Tage erschien eine Gesandtschaft von hundert der edelsten Troer vor der Stadt der Latiner, wo sich auf grünem Plan die Jugend Latiums zu Wagen und zu Ross tummelte, sich im Bogenschuss und Speerwurf übte, Faustkämpfe und Wettrennen veranstaltete.
Die Boten trugen, gleich Schutzflehenden, bebänderte Ölzweige in den Händen. So durchschritten sie die Stadt, stiegen den ragenden Burgberg hinan und betraten den von hundert Säulen getragenen und von einem heiligen Hain umgebenen Palast des Königs.
Latinus beschied die Troer vor seinen Thron, hieß sie freundlich willkommen und nahm die Geschenke, die sie ihm auf Befehl des Aeneas brachten, huldvoll entgegen: einen Pokal des Anchises, einen Mantel, in welchem Priamos vor seinem Volke Recht gesprochen hatte, schließlich des Priamos Zepter und Krone und manches kunstvolle Gewebe troischer Frauenhände. Ilioneus, der Sprecher der Gesandtschaft, erzählte dem Latinerkönig, woher sie gekommen, wer ihr Anführer sei und dass ihnen Götterspruch hier auf italischem Boden eine neue Heimat verheißen habe. "O König", rief er, "gib uns einen Fleck Erde, wo wir unsere Penaten aufstellen dürfen!"
In tiefes Nachdenken versunken, hatte der König Latinus den Worten des Abgesandten gelauscht. Der Orakelspruch seines göttlichen Vaters Faunus bewegte sein Herz. Nach langem Schweigen sagte er endlich: "Aeneas möge selbst vor meinem Thron erscheinen. Sagt ihm, hier erwarte ihn nicht nur ein Freund und Vater, sondern auch eine Braut. Wahrworte und Wunderzeichen verboten es mir, meine einzige Tochter einem einheimischen Manne zur Frau zu geben
- aus dem Ausland verhieß mir der Spruch meinen künftigen Schwiegersohn, und eine sichere Stimme in meinem Inneren raunt mir zu, dass es der fremde Held, euer Herr und Führer, ist, dem unser Warten galt. Er sei mir und dem ganzen Lande willkommen, über das er als König gebieten wird!" Nach dieser Rede ließ Latinus für jeden der fremden Boten ein mit Purpur bedecktes und mit Gold gezäumtes Pferd aus seinem Marstall herbeiführen; dem Aeneas aber schickte er als Geschenk einen kostbaren Wagen samt einem Doppelgespann schnaubender Rosse aus unsterblichem Stamm.
Juno raste vor Zorn über das Glück und den Frieden, die den verhassten Troern winkten. Sie rief mit mächtigem Zauberwort die Furie Alekto aus dem Orkus herauf und befahl ihr, sowohl die Königin Amata, die Gattin des Latinus und Mutter der Lavinia, als auch den hingehaltenen Freier Turnus gegen die fremden Eindringlinge aufzuwiegeln.
Alekto zog aus ihrem Schlangenhaar eine Natter hervor und warf sie der Königin auf die Brust. Der Biss des Tieres machte Amata halb wahnsinnig: sie schmähte ihren Gatten, weil er sein Kind an einen heimatlosen Flüchtling verschenke, und rannte tobend durch die Stadt, die sie bald in hellen Aufruhr versetzte.
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