Aeneas und Dido
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Juno aber, die das Gewölk mit klarem Auge durchdrang, lenkte Didos und Aeneas' flüchtende Schritte so, dass die Königin und ihr herrlicher Gast einander plötzlich in einer einsamen Grotte gegen-überstanden. Draußen flammten die Blitze und krachte unaufhörlicher Donner - im Inneren des Berges aber gestand Dido, durch den Aufruhr der Elemente von aller Scheu befreit, dem Helden ihre Liebe. Da vergaß Aeneas alle göttlichen Befehle, Italien, das leuchtende Ziel seiner Seele, verblasste vor der Frau, die da im purpurnen Jagdkleid, den goldenen Köcher an der Hüfte und das blitzende Diadem auf der Stirne, vor ihm stand. Betört von so viel Schönheit, erwiderte er ihr Geständnis und besiegelte seine leidenschaftlichen Gefühle mit einem raschen Schwur.
Das Ungewitter zog vorüber, die Jagdgesellschaft fand sich wieder zusammen, und Aeneas kehrte an Didos Seite beglückt nach Karthago in den Palast zurück. Hier löste nun ein Freudenfest das andere ab, niemand dachte mehr an Abfahrt, aufgebockt ruhten die Schiffe im Hafen, der Winter kam.
Da aber machte sich Fama auf, die Göttin des Gerüchtes, und durchflog die Städte Libyens. Ihr Haupt war ganz mit Flaumfedern bedeckt, und unter jedem dieser Federchen funkelte ein neugieriges Auge hervor. Und so viele Federn sie hatte, so viele geschwätzige Mäuler hatte sie auch, so viele flinke, nie ruhende Zungen, so viele ewig gespitzte Ohren. Dieses hässliche Wesen nun verbreitete überall in Afrika Wahres und Unwahres über Aeneas und Dido, und schließlich flog sie auch in das Reich des Königs Iarba, der erst kurz zuvor um Didos Hand geworben hatte, aber von der stolzen Fürstin verschmäht worden war. Iarba war der Sohn einer libyschen Nymphe, sein Vater war Jupiter. Hundert Tempel hatte er dem Gotte schon erbaut. Nun warf er sich vor dem Altar seines Palastes zu Boden und rief aus grimmerfülltem Herzen zum Himmel empor: "Vater, machtvoller Jupiter, warum sendest du deine Blitze nicht über Karthagos Burg? Ist dein göttliches Auge verblendet? Ein landflüchtiges Weib, das sich für Geld ein Städtchen gegründet hat und dem ich großmütig das Ufergebiet meines Reiches zum Pflügen und Säen überlassen habe, damit sie mit ihren Leuten nicht verhungert, diese Frau, die mich verschmähte, ergibt sich dem glatten Troerhelden und beschenkt ihn mit meinem Gut! Was bin ich doch für ein Tor, dass ich noch an die Weisheit und Gerechtigkeit deiner Weltenlenkung glaube!"
Jupiter hörte diese Worte. Iarbas Zorn entfachte den seinen. Er winkte Mercurius, den Götterboten mit dem goldenen Stab und den geflügelten Füßen, zu sich heran und sprach: "Was hat Aeneas im feindlichen Land zu suchen? Was treibt er sich bei Dido umher und vertrödelt seine Zeit in ihrem Palast bei üppigem Schmaus und süßem Saitenspiel? Habe ich ihn dazu vor den Waffen der Griechen gerettet und so oft toddrohenden Stürmen entrissen? Rom soll er gründen, die Herrin der Welt, das habe ich ihm zur Aufgabe bestimmt und nicht, in Afrika herumzulungern! Mache dich auf und verkünde ihm auf der Stelle meinen Willen! Augenblicklich soll er die Küste verlassen!"
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