Du hast Polyphemos geblendet, der war ein Sohn Poseidons, das kränkte den Meeresgott tief. Dennoch kannst du allen Gefahren entrinnen, die dir drohen, vermagst du deiner Genossen Herz zu bezähmen. Höre! So ihr auf der Insel Thrinakia landet, lasst eure Hände von der Herde des Sonnengottes, die dort weidet. Vergreift ihr euch aber an ihr, so weissage ich deinem Schiff und deinen Freunden Verderben. Entrinnst du diesem allein, so kommst du spät, elend, einsam und auf fremdem Schiffe nach Ithaka, wie es der Kyklop von seinem unsterblichen Vater rachedurstig erflehte. Zu Hause findest du Jammer über Jammer: ein Schwarm übermütiger Freier verprasst dein Hab und Gut, bedrängt Penelope, dein königliches Weib. Und hast du dir diese Meute durch List oder Gewalt vom Halse geschafft, so wirst du von neuem dein Ruder nehmen und in die Ferne ziehen, bis du zu einem Volke kommst, das das Meer nicht kennt, keine Schiffe baut und seine Speisen nicht mit Salz würzt. Begegnet dir dort ein Wanderer, der dir sagt, du trügest eine Schaufel über der Schulter weil er noch nie im Leben ein Ruder gesehen hat -, dann stoße dieses Ruder vor dich in die Erde, bringe Poseidon ein Opfer dar und wandere wieder heim. Der zürnende Gott wird von da ab versöhnt sein und dich fürder in Frieden lassen, und am Ende wird dich auf festem Lande, fern dem Meer, ein sanfter Greisentod hinwegnehmen."

So weissagte mir Teiresias. Ehe er wieder in den Hades hinabtauchte, fragte ich noch schnell: "Was muss ich tun, damit mich die Mutter erkennt?"
Er antwortete: "Wem du von dem Opferblut zu trinken erlaubst, der wird dich erkennen und dir lautere Wahrheit künden - wen dein Schwert abwehrt, der wird schweigend zurückkehren in das Schattenreich, in den großen Reigen."
Als nun die Mutter wiederum heranschwebte, wich ich von der Grube zurück. Sie trank und erkannte mich. "Mein lieber Sohn", sagte sie, "wie kamst du lebendig in die Todesnacht herab? Irrst du noch immer seit Troias Fall umher? Kamst du noch immer nicht heim nach Ithaka? Dein Vater schläft winters in schlechter Kleidung neben dem Herdfeuer im Stroh, im Sommer nächtigt er unter freiem Himmel, das Haupt auf ein Bündel Reisig gebettet. All dies tut er aus Jammer über dein Geschick. Mich selber raffte der Gram dahin, keiner Krankheit erlag ich. Penelope aber, deine treue Gattin, weint Tag und Nacht um dich, und Telemachos, dein geliebter Sohn, irrt gleich dir von Land zu Land, den Vater zu suchen, Ithakas König und Befreier!"