Die letzten Seeabenteuer und der Schiffbruch
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Wir waren noch nicht lange weitergerudert, als wir in der Ferne den Wasserstaub einer mächtigen Brandung sahen und bald darauf auch deren Tosen vernahmen. Es war die Charybdis, ein Strudel, der dreimal des Tages unter einem riesigen Felsen hervorquillt und wieder zurückwallt, alles verschlingend, was in seinen Rachen gerät. Meine Begleiter ließen vor Schreck die Ruder fahren, platschend fielen sie ins Wasser, und unser Fahrzeug stand still. Da sprang ich von meinem Sitz auf, durcheilte das Schiff und sprach den Freunden, von Mann zu Mann gehend, Mut zu. "Bleibt fest auf euren Bänken sitzen", sagte ich, "schlagt tapfer mit den Rudern in die Brandung, Zeus wird unsere Flucht aus dieser Not gewiss unterstützen. Du aber, Steuermann, schärfe alle deine Sinne und lenke das Schiff, so gut du kannst! Arbeite dich geschickt am Felsen vorbei, damit du nicht in den Strudel gerätst!" So stärkte ich die Freunde für die bevorstehende Gefahr; von dem Ungeheuer Skylla, das gegenüber der Charybdis die vorbeifahrenden Schiffe bedrohte, schwieg ich wohlweislich, denn ich befürchtete, die Genossen möchten vor Schreck ein zweites Mal die Ruder fahren lassen und uns damit in die größte Gefahr bringen. Die Skylla, die mir Kirke genau geschildert hatte, hauste gegenüber der Charybdis auf einem Felsen aus dunklem, glattem Gestein. Wie ein Turm ragte er in den Himmel, und sein spitziges Haupt, das noch nie ein Sonnenstrahl traf, wird ewig von schwarzem Nachtgewölk umfangen. Dort oben ist die Höhle der Skylla, und fürchterlich tönt ihr Bellen über die Flut. Sie hat zwölf unförmige Füße und sechs Schlangenhälse, deren jeder einen scheußlichen Kopf trägt. Jedes der sechs Mäuler ist mit drei dichten Reihen von Zähnen bewehrt, mit denen sie ihre Opfer zermalmt. Der Hinterleib des Ungeheuers steckt in der Höhle, die Häupter aber streckt sie weit hervor und schnappt mit ihnen nach Seehunden oder Delphinen. Kein Schiff noch durfte sich rühmen, ohne Verluste an der Skylla vorbeigefahren zu sein, meist hat sie, ehe sich's einer versieht, in jedem Rachen einen Mann zwischen den Zähnen, den sie von den Ruderbänken blitzschnell geraubt hat. Dieses grässliche Bild vor der Seele, spähte ich vergebens umher, ich konnte die Skylla nicht entdecken. Inzwischen waren wir ganz nahe an die Charybdis geraten, deren gieriger Rachen die Meeresflut einschlürfte und wieder ausspie. Wenn sie das Wasser herausbrach, flog weißer Schaum empor, schluckte sie es aber wieder hinunter, so senkten sich die finsteren Wogen tief hinab, und indes der Fels donnerte, konnte man die schwarzen Kieselsteine auf dem Grunde erblicken. Entsetzt starrten wir auf dieses Schauspiel. Wir wichen dem Strudel zur Linken aus, kamen dabei jedoch der Skylla zu nahe, deren Fels ich zu spät entdeckte, und schon hatten ihre fletschenden Rachen sechs meiner tapfersten Genossen auf einmal vom Bord hinweggeschnappt. Ich sah sie mit zappelnden Händen und Füßen zwischen den Zähnen des Ungeheuers hoch in die Lüfte schweben; hilfeflehend riefen sie mich beim Namen, einen Augenblick später waren sie zermalmt.

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