Odysseus als Bettler im Saal
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Als Eumaios freudigen Herzens bei ihr eintrat, sagte sie zu ihm: "Führe mir doch diesen Bettler herbei, ich will mit ihm reden. Vielleicht weiß er etwas von meinem fernen Gemahl zu berichten oder hat ihn gar selbst gesehen. Es scheint, er ist weit in der Welt herumgewandert." "O Herrin", erwiderte Eumaios, "drei Tage und drei Nächte lang hat der Alte mit seinen Erzählungen mein Herz gerührt. Ja, er weiß viel von Odysseus zu sagen und prophezeit des Königs baldige Heimkehr!" "So bringe mir den Fremdling schnell", rief Penelope. "Käme Odysseus zurück, wie würden er und Telemachos die Freier bestrafen!" Eumaios begab sich wieder in den Saal, trat an den Bettler heran und überbrachte ihm Penelopes Botschaft. Der Fremde antwortete: "Gerne will ich der Königin erzählen, was ich von Odysseus weiß, und ich weiß gar viel von ihm. Aber noch fürchte ich mich vor den Freiem. Niemand hat sich meiner angenommen, als ich eben so schwer gekränkt ward, auch Telemachos, des Hauses Sohn, hat keinen Finger für mich gerührt - wie sollte ich wagen, ins Frauengemach einzudringen? Sage darum Penelope, sie möge sich gedulden, bis es Nacht geworden ist; dann mag sie mich nach ihrem Gatten befragen, soviel sie will, und mich an ihrem Herde sitzen lassen, denn mich friert in meinen Lumpen." Eumaios eilte zurück zur Königin und meldete ihr die Worte des Bettlers. "Der Mann denkt und redet klug", sagte Penelope und gab sich zufrieden. Sie entließ den Hirten, der auf Telemachos' Geheiß noch bis zum Abend im Saale blieb. Dann brach er auf und versprach dem Königssohn, sich am anderen Morgen in aller Frühe bei ihm einzufinden. Die Freier zechten weiter. Da betrat auf einmal ein berüchtigter Bettler den Saal. Er hieß eigentlich Arneios, doch nannte ihn jedermann nur Iros, den "Boten", weil er für Geld allerlei Wege machte. Er war ein ungeheurer Vielfrass, aber dennoch ohne alle Leibeskraft. Er hatte gehört, dass ein Nebenbuhler bei den Freiem eingedrungen und von Tisch zu Tisch gegangen war. Nun kam er, schnaubend vor Eifersucht, herbei und wollte den Odysseus aus dessen eigenem Hause vertreiben. "Hinweg von der Türe!" rief er schon beim Eintreten. "Siehst du nicht, dass mir alle mit den Augen zuwinken, dich am Fuß hinauszuschleifen? Geh, oder es entbrennt ein Faustkampf zwischen uns!" "Die Schwelle hat Raum für uns beide", erwiderte Odysseus finster. "Ich gönne dir deinen Teil, also gönne du mir den meinen, wie es unter Bettlern Brauch ist. Reize meinen Zorn nicht und fordere mich auch nicht zum Zweikampf, sonst schlage ich dir Brust und Rippen blutig, und du kommst schwerlich noch einmal hieher!" Iros aber fing noch ärger zu poltern an. "Du blöder Fresser", rief er, "redest daher wie ein Hökerweib! Ein paar Hiebe von mir links und rechts auf deinen Schädel, und dir fallen alle Zähne aus dem stinkenden Maul. Laut lachend kehrten sich die Freier dem streitenden Paare zu, und Antinoos rief: "Noch hat uns kein Gott ein solches Vergnügen in diesem Saale beschert - zwei Bettler, die einander zum Faustkampf herausfordern, haha! Lasst uns die beiden aufhetzen! Ziegenmagen, mit Blut und Fett gefüllt, braten dort überm Feuer, die setzen wir den edlen Streitern als Kampfpreis aus: dem Sieger die dickste Wurst, und kein anderer Bettler als er soll künftig den Saal betreten dürfen!"

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